Erbrecht in Neuseeland

Das Erbrecht in Neuseeland unterscheidet sich mit unter ganz erheblich von dem deutschen Erbrecht. Die Universalsukzession ist dem Erbrecht in Neuseeland unbekannt. Nach neuseeländischem Erbrecht haften Erben nicht persönlich für die Verbindlichkeiten des Verstorbenen, sondern nur der Nachlass (estate) ist haftbar. Deshalb ist in Neuseeland die Erbausschlagung unbekannt. Vielmehr übernimmt ein Testamentsvollstrecker – der per Testament oder durch gerichtlichen Beschluss berufen ist – die Verwaltung des Nachlasses wodurch ein sogenannter testamentarischer Trust entsteht (besonderes Treuhandverhältnis). Erbrecht in Neuseeland

Bei Erbrechtsfällen bei denen deutsche Staatsbürger in Neuseeland Vermögen hinterlassen, ergeben sich schwierige Fragen im Bezug auf die internationale Zuständigkeit. Deshalb ist dabei besonderes rechtliches Know-how gefragt. Wir vertreten deutsche Erben in neuseeländischen Nachlassverfahren (probate). Wir helfen Ihnen bei der Verwaltung und Abwicklung von Nachlässen in Neuseeland und bei der Gestaltung von Testamenten und Nachfolgeplanung (sog. estate planning) in Neuseeland.

Viele Deutsche haben Vermögen in Neuseeland oder sind mit einem oder einer Neuseeländer/in verheiratet oder leben in einer unehelichen Lebensgemeinschaft (de facto partnership). Es ist aber oft unbekannt, dass Auslandsvermögen, insbesondere Liegenschaften, sich nach dem Tod eines Deutschen oft nicht nach deutschem Recht, sondern nach dem jeweiligen lokalen Recht des Staates, in dem das Grundstück gelegen ist, richtet.

Wichtig ist auch, dass die mit der Europäischen Verordnung zum Internationalen Erb-­ und Erbverfahrensrecht (EU-­ErbVO), die für Erbfälle ab dem 17. August 2015 gilt, das Erbstatut nicht mehr an die Staatsangehörigkeit des Erblassers anknüpft, sondern sich zukünftig nach dem letzten  gewöhnlichen Aufenthaltsort des Erblassers bestimmt. Dies bedeutet, dass eine ab dem 18. August 2015 in Neuseeland verstorbene Deutsche mit letztem gewöhnlichen Aufenthalt in der Neuseeland nachneuseeländischem Recht beerbt werden.

Die Anwendung des neuseeländischen Erbrechts kann zu ungewollten Ergebnissen führen.

Nachlassverwaltung in Neuseeland (probate)

Das Nachlassverfahren wird in Neuseeland for dem High Court in Wellington betrieben (probate court).

Um als Testamentsvollstrecker über neuseeländischen Nachlass zu verfügen bedarf es einer speziellen Befugnis des Nachlassgerichts. Ein executor wird durch ein Testament ernannt und ein administrator wird durch das Nachlassgericht ernannt und zwar immer dann, wenn der Erblasser kein Testament in Neuseeland verfasst hat. Die Jurisdiktion des Testamentsvollstreckers beschränkt sich auf die in Neuseeland gelegenen Nachlass. Außerhalb Neuseelands hat der Testamentsvollstrecker keine Verfügungsmacht. Mit der Ernennung erwirbt der Testamentsvollstrecker rückwirkend auf den Erbfall das Eigentum an dem beweglichen und unbeweglichen Vermögen des Nachlass.

Rechtswahl im Testament

Da das Kollisionsrecht zwischen Deutschland und Neuseeland nicht aufeinander abgestimmt sind, ergeben sich daraus aber auch Vorteile, die bei der Gestaltung des Testaments ausgenutzt werden können.

Eine Rechtswahl weg vom deutschen Erbrecht ist nur sehr begrenzt möglich. In keinem Fall kann die Rechtswahl genutzt werden um Pflichtteilsansprüche zu umgehen. Es gibt aber andere Möglichkeiten, wie Pflichtteilsberechtigte faktisch von Ansprüchen gegen den Nachlass ausgeschlossen werden können (z.B. durch die Errichtung eines Trusts). Eine Rechtswahl muss entweder ausdrücklich in einer Erklärung in Form einer Verfügung von Todes wegen – meist ist das ein Testament – erfolgen oder sich zumindest aus den Bestimmungen einer solchen Verfügung von Todes wegen ergeben. Aus Gründen der Rechtssicherheit ist eine ausdrückliche Wahl zu empfehlen.