Wirtschaft Neuseeland

March 15, 2018 by

Die Wirtschaft Neuseelands

Die wirtschaftliche Entwicklung Neuseelands folgt seit Jahren einem stabilen, positiven Trend.  Eine kompakte Zusammenfassung der wirtschaftlichen Entwicklung in den letzten 10 Jahren finden Siehier.  

Wirtschaft Neuseeland

Das Bruttoinlandsprodukts (BIP) Neuseelands stieg 2017 um 2,8%, was nach einem Wachstum von 4,0% im Jahre 2016 zwar eine Verringerung darstellt, jedoch deutlich über den Prognosen von 2,3% liegt. Damit liegt Neuseeland im weltweiten OECD-Vergleich sehr gut.

Das Wirtschaftswachstum soll in den Jahren 2018 – 2019 auf über 3% steigen, was auf Zuwanderung, Investitionen, eine starke Bauwirtschaft und Export zurückzuführen ist.

Neuseeland ist in mehreren multinationalen Wirtschaftsorganisationen vertreten, so etwa in WTO, OECD, IMF, APEC, TPSEP oder ADB.

Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich die neuseeländische Wirtschaft von einer der meist regulierten zu einer der freiesten Marktwirtschaften innerhalb der OECD-Länder entwickelt.

Starker tertiärer und primärer Wirtschaftssektor

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war Neuseeland ein Agrarstaat, in dem der Großteil der Einwohner im primären Wirtschaftssektor tätig war. Obwohl sich auch hier der weit überwiegende Anteil des Bruttoinlandsproduktes  in den Dienstleistungssektor (rund 66,5%) verlagert hat, ist der Anteil der produzierenden Landwirtschaft im OECD-Vergleich noch immer sehr hoch (rund 6,0%).

Erhebliche wirtschaftliche Bedeutung kommt insbesondere dem Tourismus zu. So hängt nach Schätzungen der neuseeländischen Regierung jede zehnte Arbeitsstelle im Land direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Weitere wichtige Branchen stellen der wachsende High-Tech-Bereich sowie die Filmproduktion dar. Der Technologiebranche ist nach Landwirtschaft und Tourismus der drittwichtigste Wirtschaftsbereich des Landes. Bergbau und Schwerindustrie sind in der neuseeländischen Wirtschaft dagegen von geringer Bedeutung.

Abhängigkeit vom Außenhandel

Als vergleichsweise kleines Land ist Neuseeland in besonderem Maße von Waren- und Dienstleistungsexporten abhängig und entsprechend stark am Freihandel orientiert. Gewinne aus dem Außenhandel betragen rund 30% des Bruttoinlandsproduktes. Erzeugnisse aus dem primären Wirtschaftssektor machen dabei rund die Hälfte aller Warenexporte aus.

Ein Viertel der neuseeländischen Exporte sind Milchprodukte. Die neuseeländische Genossenschaft „Fonterra“ kontrolliert 95% der neuseeländischen Milchverarbeitung. Fonterra besteht aus 10,600 Landwirten, die Eigentümer der landwirtschaftlichen Genossenschaft sind.  Neuseeland einer dWirtschaft Neuseelander fünf größten Exporteur von Milchprodukten weltweit. Wichtige Einfuhrprodukte sind Automobile, Traktoren, technische Geräte, Lebensmittel, Textilien sowie medizinische Produkte.

EU Neuseeland Handelsvolumen

Die EU ist Neuseelands zweitgrößter Handelspartner mit einem jährlichen Handelsvolumen von mehr als 8,7 Milliarden Euro im Jahr 2017. Bei den neuseeländischen Exporten in die EU bilden landwirtschaftliche Erzeugnisse den größten Anteil.

Für die EU ergab sich beim Handel mit Neuseeland 2017 ein Handelsbilanzüberschuss von 1,9 Milliarden Euro. Auf EU-Unternehmen entfallen mehr als 10 Milliarden Euro an ausländischen Direktinvestitionen in Neuseeland.

Import

Die meisten neuseeländischen Waren- und Dienstleistungsimporte im Jahr 2017 stammten aus der EU (Gesamtwert: rund NZD 12,3 Mrd.). Innerhalb der EU-Länder belegte Deutschland mit einem Importwert von rund NZD 3,5 Mrd. den ersten Platz der Importländer. Die überwiegenden Importgüter nahmen dabei Produkte aus der Automobilindustrie (37%) sowie dem Engineering- (21%) und Pharmasektor (8%) ein.

Freihandelsabkommen

Mit dem wichtigsten Handelspartner Australien besteht seit 1983 eine 24 Millionen Menschen umfassende Freihandelszone („Closer Economic Relations– CER).

Diese wurde in den folgenden Jahren immer weiter geöffnet und auf fast alle wirtschaftlichen Bereiche ausgeweitet. In der Zukunft sollen ein gemeinsamer Binnenmarkt geschaffen und auch Steuern vereinheitlicht werden.

Seit 2000 existiert auch mit Singapur eine Freihandelsabkommen. Diese wurde 2005 um Chile und Brunei erweitert und ist nun unter dem Namen P4 Agreement bekannt. Seit 2008 besteht zudem ein Freihandelsabkommen mit China. Dieses wird bis zu seiner vollständigen In-Kraft-Setzung im Jahr 2019 stetig weiter ausgebaut.

Neuseeland sucht darüber hinaus weiterhin nach Handelsabkommen im pazifischen Raum. So werden beispielsweise Verhandlungen über eine Freihandelszone mit dem für Neuseeland wichtigen Handelspartner Indien geführt. Ebenso gab es bereits erste Verhandlungen über ein bilaterales Handelsabkommen mit Russland.

Mit dem Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership wird derzeit ein neues Freihandelsabkommen von elf Nationen auf den Weg gebracht. Gemeinsam mit den weiteren Mitgliedsstaaten Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Peru, Singapur und Vietnam soll eine neue Handelszone entstehen, die ein von 500 Millionen Menschen bewohntes Gebiet umfasst.

Weitere bi- und multinationale Handelsabkommen befinden sich im Planungs- bzw. Verhandlungsstadium. Konkrete Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU in sind für dieses Jahr in Planung.

Bis zum Jahr 2030 sollen nach Plänen der Regierung 90% der neuseeländischen Warenexporte von Freihandelsabkommen abgedeckt sein.

Die EU bereitet derzeit Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit Neuseeland und Australien vor. Am 22. Mai 2018 haben die Handelsminister der EU-Mitgliedstaaten die Aufnahme von Vertragsverhandlungen beschlossen. Die Verhandlungen sollen im Juli 2018 beginnen.

Wichtige Handelspartner

Nach Großbritanniens Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft und der damit gesunkenen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten musste sich Neuseeland neue Märkte erschließen.  Mittlerweile sind Australien, China, Japan, die ostasiatischen Tigerstaaten sowie die USA die wichtigsten Handelspartner des Landes.

Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenquote in Neuseeland liegt mit 4.5% (Stand: 02/2018) auf dem tiefsten Stand seit 2008 und damit unterhalb dem deutschen Wert (5,8%). In Neuseeland liegt der Anteil der Erwerbspersonen, die seit mehr als  einem Jahr arbeitslos sind, bei 0,7% (OECD Durchschnitt liegt bei 2,0%).

Die landesweiten Beschäftigungsmöglichkeiten sind in urbanen Gebieten deutlich besser. So zeichnete sich etwa bis Juni 2015 das Einzugsgebiet Auckland für nahezu die Hälfte (44%) des jährlichen Beschäftigungszuwachses verantwortlich, gefolgt von den Einzugsgebieten Bay of Plenty (8%) und Waikato (4%).

Der Anteil gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer liegt in Neuseeland mit weniger als 20% ähnlich hoch wie in Deutschland. Am stärksten sind Gewerkschaften im öffentlichen Sektor, der Milchindustrie sowie im Bereich der Hafenarbeit vertreten. Unternehmen werden nur selten und ggf. meist lediglich lokal bestreikt.

In ähnlicher Weise wie in Deutschland, ist derzeit auch in Neuseeland ein zunehmender Fachkräftemangel zu beobachten, insbesondere im IT-Bereich. Die Beschäftigung angelernter Arbeiter stellt sich dagegen als vergleichsweise einfach dar. Es wird erwartet, dass der Arbeitsmarkt innerhalb der nächsten drei Jahre stabil bleiben wird.

Geldpolitik

Die offizielle Landeswährung ist der Neuseeländische Dollar (NZD), der in 100 Cent (ct) unterteilt wird. Der Wechselkurs zum Euro ist im internationalen Vergleich relativ stabil.

Die neuseeländische Geldpolitik wird von seiner Zentralbank, der Reserve Bank of New Zealand (RBNZ), bestimmt. Die RBNZ ist verantwortlich für die Ausgabe der Landeswährung und Inflationssteuerung. Mittelfristig soll sich die Inflation zwischen 1% und 3% pro Jahr bewegen.

Seit November 2016 liegt der neuseeländische Leitzinssatz unverändert bei 1,75%. Die RBNZ überprüft den Leitzinssatz sieben Mal pro Jahr. Darüber  hinaus ist die RBNZ für die Banken- und Finanzkontrolle und -aufsicht zuständig.

Die RBNZ befindet sich in Staatsbesitz. Die Zentralbank ist aber nach dem Reserve Bank Act 1989 als eigenständige und unabhängige Institution nicht direkt an ein Ministerium angegliedert. Geleitet wird die Zentralbank von einem Gouverneur.

Ehemals bestehende Ein- bzw. Ausfuhrkontrollen für ausländische Geldmittel wurden zwischenzeitlich ersatzlos aufgehoben. Für den Transfer von Kapital, Zinsen, Gewinn und Dividende sowie Honoraren bzw. Lizenzen bestehen keine Restriktionen.

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